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Für ein umfassendes Streikrecht

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Büchertipp: Was in Krisen zählt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 22. August 2011 um 10:04 Uhr

Leseprobe aus:

Michael Bordt SJ

Was in Krisen zählt. Wie das Leben gelingen kann
ISBN 978-3-89883-243-4
80 Seiten, 7,95 €

© ZS Verlag Zabert Sandmann GmbH
Alle Rechte vorbehalten

Krisen und Neuanfang
Eine der beeindruckendsten Sylvesterfeiern war die Sylvesternacht der Wende zum dritten Jahrtausend. Trotz aller Unsicherheit darüber, was die Zukunft bringen würde: Man könnte eine Hoffnung mit Händen greifen. Die Hoffnung, dass mit dem Kalenderwechsel ins neue Millenium auch ein neues Zeitalter anbricht. Eine friedlichere, freiere und glücklichere Zeit. Von jetz an, so dachten viele, würde alles irgendwie besser werden.
Nichts ist besser geworden. Nur selten hat es in der Geshichte der Menschheit knappe zehn Jahre gegeben, in denen so deutlich geworden ist, wie bedroht wir Menschen sind - oder besser gesagt, in welchem Mße wir selbst die Grundlagen unseres eigenen Lebens bedrohen. Vor allem drei Krisen erschüttern uns: Der internationale Terrorismus, die mögliche Klimakatastrophe und der immer weiter um sich greifende Zusammenbruch der Finanzmärkte mit seinen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die drei Krisen stellen die Grundfeste unserer Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur in Frage.
Krisen fallen nicht vom Himmel. Auch diese drei Krisen haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Sie lassen uns einiges, was in den letzten Jahrzehnten geschen ist, in einem neuen und anderen Licht sehen. Der internationale Terrorismus macht deutlich, wie Amerika und die restliche westliche Zivilisation in anderen Teien der WElt wahrgenommen werden: als machtversessen und rücksichtslos. Sind wir so? Stimmt diese Wahrnehmung? Hat die "westliche Welt" tatsächlich imperialistische, politisch und wirtschaftlich ungerechte Strukturen geschaffen, die nun ihrerseits zu einer Brutstätte für den Terrorismus und ein terroristisches Umfeld geworden sind?
Der Klimawandel, soweit soweit er von uns Menschen verursacht wurde, zeigt, dass der ungeheure Wirtschaftsaufschwung vor allem in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts einen hohen Preis gekostet hat und weiter kosten wird. Können wir den Klimawandel, der Teile unseres gesamten Planeten bedroht, noch stoppen? Viele Experten sagen Ja! Die entscheidende Frage ist aber doch, ob wir tatsächlich den politischen und ökonomischen Willen haben, ihn aufzuhalten. Auf was werden wir künftig verzichten müssen, wenn wir eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen wollen? Und wird der industrialisierten Welt, die den Klimawandel maßgeblich verursacht, dieser Preis vielleicht zunächst zu hoch sein? Und wie würde es dann weitergehen?
Die Krise der Finanzmärkte macht erschreckend deutlich, dass die Möglichkeit zu schnellem und immer höherem Gewinn, der ja nicht nur von vereinzelten besonders gierigen Managern, sondern auch von allen Aktionären freudig begrüßt wurde, nicht ohne einen grässlichen Kater am Morgen danach zu haben gewesen ist. Was die Finanzmarktkrise und ihre Folgen für die reale Wirtschaft noch alles bedeuten werden, kann im Moment noch niemand absehen. Doch schon jetzt haben nicht wenige Menschen Teile ihres Vermögens verloren. Ein Blick in die USA zeigt, dass dort der Zusammenbruch der Banken bereits sehr konkrete Auswirkungen hat und es durchaus möglich ist, dass wir in ine schwere Wirtschaftskrise geraten werden. Wie soll es jetzt weitergehen? Was werden die nächsten Jahre bringen?
Natürlich mangelt es in Krisenzeiten nicht an gut gemeinten Appellen von den verschiedensten Seiten: Man müsse den Gürtel enger schnallen, besondere Anstrengungen seinen jetzt vonnöten, man müsse sich endlich wieder auf die Moral und die soziale Verantwortung besinnen, ein Ruck müsse durch das Land gehen. Es ist immer das selbe: In Krisenzeiten haben Mahner, Moralisten und diejenigen, die es immer schon besser gewusst und kommen gesehen haben, Oberwasser.
Ich glaube nicht an Moralisten und ihre Appelle. Moralisten rütteln bestenfalls auf, aber ihr Pathos verhallt nur allzu oft in den Kolummnen großer Tageszeitungen. Moralisten motivieren nicht. Natürlich fordern uns Krisen zu einer Reaktion heraus, aber mit einem pathetischen oder verzweifelten Hinweis auf Verantwortung und Moral oder mit mahnenden Appellen ist es nicht getan Doch welche Reaktion ist sinnvoll, wenn wir einsehen, dass wir nicht einfach so weitermachen können wie bisher?
Ein erster, mittlerweile schon populärer Hinweis auf die Reaktion kann aus der chinesischen Sprache kommen. Das chinesische Wort für "Krise" ist mit dem Wort "Chance" eng verwandt. Beide Begriffe bestehen aus zwei Schriftzeichen, von denen sie eins gemeinsam haben. Dahinter steckt wohl die Einsicht, dass Krisen und Chancen zusammengehören. Krisen sind zugleich auch Chancen, die uns herausfordern. Krisen wollen gestaltet werden. Jede Krise, sei sie nun privater, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Natur, ist deswegen auch immer eine Chance zu einem Neuanfang.
Auch ein Blick auf das klassische Griechisch hilft weiter. Das Wort Krise lässt sich vom griechischen "krisis" ableiten, das "Unterscheidung" bedeutet. Eine Krise ist demnach also eine Zeit für eine Unterscheidung, die zum Ziel hat, auf das, was schlecht ist und sich nicht bewährt hat, zu verzichten und stattdessen das Gute aufzugreifen und die Krise als Chance zur Veränderung zu nutzen. Aber, so möchte man doch fragen, wofür sind die drei Krisen denn eine Chance? Wohin sollen wir uns verändern?



 

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