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Das Ehrenamt als bedrohte Kostbarkeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 13. November 2010 um 11:25 Uhr

hVon Dorothee Markert

In der 1999 erschienenen Flugschrift „Liebe zur Freiheit, Hunger nach Sinn“ und im Grundeinkommenstext „Sinnvolles Zusammenleben im ausgehenden Patriarchat“ (2004) habe ich mit anderen zusammen betont, dass ehrenamtliche Arbeit nicht dafür da sein sollte, Einsparungen zu kompensieren oder zu ermöglichen, sondern dass sie nur dort ihren Platz haben sollte, wo es um gesellschaftliche Innovation geht. Die Freiheit, die wir brauchen, um Neues auszuprobieren und neue Entwicklungen in Gang zu setzen, verträgt sich meistens schlecht mit den Erwartungen und Ansprüchen, die Institutionen (oder einzelne KundInnen) an uns haben, die uns bezahlen. Aber sobald der Sinn und die Notwendigkeit von Tätigkeiten gesellschaftlich anerkannt sind, kann und sollte darauf gedrängt werden, dass sie auch bezahlt werden, aus Steuergeldern oder durch die NutznießerInnen selbst.

Was wir damals geschrieben haben, finde ich immer noch richtig. Doch in meinem wirklichen Leben halte ich mich in Bezug auf das Ehrenamt überhaupt nicht an meine eigenen Vorgaben. Deshalb möchte ich untersuchen, was es mir (und wahrscheinlich auch vielen anderen) so schwer macht, ehrenamtliche Aufgaben wirklich nur dann anzunehmen oder fortzusetzen, wenn ich mich frei dafür entschieden habe und wenn ich sicher bin, dass mein unbezahlter Arbeitseinsatz nicht direkt oder indirekt der kapitalistischen Wirtschaft zugute kommt oder andere Folgen hat, die nicht meinen Absichten entsprechen. Die Diskrepanz zwischen meinen theoretischen Vorstellungen, wann das Ehrenamt sinnvoll ist, und meiner Unfähigkeit, mein Leben danach einzurichten, weist darauf hin, dass entweder die Vorgaben falsch sind oder dass ein Stück Denkentwicklung, Vermittlung und gesellschaftliche Entwicklung fehlt, um das als richtig Erkannte umsetzen zu können. Mit diesem Denkprozess, der ganz offensichtlich noch zu leisten ist, möchte ich hier beginnen. Ich hoffe, dass ich damit eine Diskussion auslöse, in der auch andere ihre Erfahrungen mit Ehrenamt bzw. Freiwilligenarbeit untersuchen und über Lösungsmöglichkeiten der hier damit verbundenen Probleme nachdenken.

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