Rede von Susanne Wiest im Bundestag
Sehr geehrte Damen und Herren des Petitionsausschuss liebe Gäste und Interessierte hier im Saal und im Nebensaal und liebe Mitunterzeichner.
Der Bundestag möge beschließen das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen.
Diesen Satz haben wir vor nun fast zwei Jahren als kräftigen Impuls an unseren Bundestag geschickt und ich freue mich, dass diese Idee unser Zusammenleben neu zu gestalten nun auch in unserem zentralen Demokratiehaus angekommen ist. Ich freue mich, dass sie sich für die Idee interessieren.
Wie wollen wir zusammen leben?
Wie wollen wir unser Zusammenleben gestalten?
Diese Frage steht für mich im Mittelpunkt.
Wir müssen wieder Vollbeschäftigung erreichen. Diesen Satz höre ich nun seit fast 3 Jahrzehnten, gebetsmühlenartig wiederholt, von vielen unserer Volksvertreter.
Da habe ich innerlich abgeschaltet, nicht mehr zugehört, weil doch die Realität um mich her eine anderes Gesicht hat und die Entwicklung deutlich in eine andere Richtung geht.
Immer mehr menschliche Arbeit wird durch Maschinen ersetzt. Das ist in meinen Augen eine Tatsache. Diese ewige Litanei , jeder könne, wenn er nur wolle, einen Erwerbsarbeitsplatz finden, wenn sie oder er sich nur genug bilde und bemühe, finde ich unerträglich. Wir üben zur Zeit großen existenziellen Druck aus auf Bürger die keinen herkömmlichen Arbeitsplatz haben und Druck auf Bürger, die mit Ihrer Arbeit viel zu wenig verdienen.
Ausgrenzung Arbeitsplatzloser aus unserer Gemeinschaft, lediglich ein Platz am Rande der Gesellschaft, ja sogar Stigmatisierungen wie faul, ungebildet und asozial müssen sich Bürger anhören. Selber Schuld sozusagen.
Um Himmels willen, warum?
Warum gehen wir so miteinander um?
Arbeitslosigkeit ist doch kein persönliches Scheitern oder Schicksal, keine persönliche Schuld, kein Makel und kein Versagen. Und selbst wenn es so wäre? Die Würde des Menschen ist unantastbar das ist der zentrale Satz unseres Grundgesetztes.
In letzter Zeit entsteht manchmal der Eindruck dieser Satz gelte nur für die Besitzer eines Erwerbsarbeitsplatzes. Ich nenne nur die mögliche Kürzung des Existenzminimums.
Zwang, Drohung und Druck. Das ist mit der Wahrung der Menschenwürde nicht zu vereinbaren und inakzeptabel.
Arbeitslosigkeit wie wir sie heute haben ,der Verlust eines Erwerbsarbeitsplatzes, ist die logische Folge unseres technischen und geistigen Fortschritts. Maschinen nehmen uns zunehmend die schwere Arbeit ab. Eine Entwicklung über mehrere Generationen. Dieser technische Fortschritt ist ein Erfolg und ein Segen.
Schreien wir nun Hurra? Endlich?
Wir sehen diesen Erfolg, anstatt uns zu freuen, seltsamerweise als Problem an. Sowie wir heute damit umgehen ist es ja auch eins: Maschinen machen unsere Arbeit und wir Bürger haben kein Einkommen mehr. Die Einkommenslosigkeit ist also das Problem. Zu tun gibt es ja genug in unserem Land. Sinnvolle Arbeit gibt es soviel wie es Menschen gibt. Nur wird sie oft nicht, oder nur unzureichend bezahlt. Die wertvolle Erziehungsarbeit die Eltern leisten ist nur ein Beispiel für Arbeit die zwar geleistet wird , aber nicht entlohnt wird.
Um leben zu können und um tätig werden zu können, brauche ich ein Einkommen. Und um in Würde leben zu können benötige ich ein Einkommen , deutlich über der Armutsgrenze. Mir ist lange auch nichts Neues, Kreatives, zukunftsweisendes auf die Frage, wie wir unser Zusammenleben zeitgemäß gestalten könnten, eingefallen, bis ich auf den Kulturimpuls bedingungsloses Grundeinkommen gestoßen bin. Eine Idee die Antworten auf die Herausforderungen der Zeit anbietet.
Endlich. Licht am Ende des Tunnels . Mit dieser Idee geht das Denken weiter und sie passt gut zur Demokatie.
Wir zahlen an Jede und Jeden von uns ein existenzsicherndes Grundeinkommen von der Geburt bis zum Tod. Jeden Monat. An dieses Einkommen knüpfen wir keinerlei Bedingungen, keinen grundgesetzwidrigen Arbeitszwang und es steht jedem Bürger zu.
Das bedingungsloses Grundeinkommen als Bürgerrecht. Ein Grundeinkommen so hoch, so dass ich auf dem Arbeitsmarkt sollte mir ein Angebot nicht zusagen,selbstverständlich auch nein sagen kann. Das bedingungslose Grundeinkommen bietet jedem von uns einen finanziellen Raum, in dem wir uns frei bewegen und frei entfalten können. Neuorientierung, Umschulung, Weiterbildung, eine Weile die Eltern pflegen, die eigenen Kinder ins Leben begleiten, Pause machen wenn Pause dran ist und wieder loslegen wenn ich gefragt bin. Ich kann mich selbstständig machen mit einem Grundeinkommen und in Rente gehen wann ich es für richtig erachte.
Das bedingungslose Grundeinkommen stellt uns Bürger in den Mittelpunkt. Jeden einzelnen. Unsere Entfaltung, unsere Würde, den Willen und die Selbstständigkeit eines jeden von uns . Das bedingungslose Grundeinkommen gibt Sicherheit, gewährt Teilhabe und ermöglicht Initiative. Die Freiheit des Einzelnen bleibt meiner Meinung nach gewahrt ,und wo Sie bislang beschnitten war, wird sie möglich. Jeder Mensch hat eine solide wirtschaftliche Basis und kann sein eigenes Leben frei gestalten. Das bedingungslose Grundeinkommen macht unsere Marktwirtschaft sozial.
Wer viel arbeiten will kann das tun, wer reich werden will kann das unternehmen und bleibt doch auf einem Boden, der die Freiheit eines jeden von uns gleichermaßen gewährleistet. Nicht „Du oder ich“ sondern „Du und ich“. Auch finde ich es zwingend notwendig unseren Steuerdschungel zu lichten. Wieso tragen wir Bürger ein Steuersystem, dass die wenigsten von uns verstehen und durchblicken?
Ich finde es sinnvoll unser Steuersystem klar und transparent zu gestalten. Wie viel Geld kommt in den Staatstopf und was bezahlen wir davon.
Das will ich als Bürgerin leicht nachvollziehen können. Eine Ausgabenbesteuerung, Konsumbesteuerung, in Verbindung mit dem bedingungslosen Grundeinkommen für jeden Bürger,finde ich schlicht, einfach und übersichtlich . Mit Abschaffung der Einkommenssteuer wird die menschliche Arbeit steuerlich entlastet. Die Konsum oder Ausgabenbesteuerung verteilt die Steuerlast auf unser aller Schultern.
Wenn wir den Konsum besteuern zahle ich erst wenn ich ein Gut oder eine Leistung in Anspruch nehme, den Gemeinschaftsanteil, die Konsumsteuer, die Mehrwertsteuer , wie auch immer diese Steuer dann heißen wird, in unseren Topf für gemeinschaftliche Aufgaben. Die Steuererklärung passiert an der Kasse. Wie hoch die Steuer sein muss, hängt davon ab was wir damit finanzieren wollen.
Schulen , Krankenhäuser, Strassen unser Parlament, vieles mehr, und so wir uns dafür entscheiden, auch ein bedingungsloses Grundeinkommen von allen für alle. Ich freue mich wenn der Bundestag diese Idee aufgreift , ich freue mich auf eine rege Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen von Allen für Alle bald im Plenum und in geeigneten Arbeitsausschüssen unseres Bundestags. Das Grundeinkommen ist ein Kulturimpuls. Ich freue mich, wenn wir Bürger diese Idee gemeinsam weiterbewegen und offen besprechen, weiterhin an der Verwirklichung arbeiten und andere Bürger darüber informieren. Bewegen wir das Thema mit aller Geduld, Liebe und Sorgfalt und wenn wir Bürger das bedingungslose Grundeinkommen mehrheitlich als Lebensbasis wünschen, werden wir Sie, unsere gewählten Volksvertreter, mit der Umsetzung beauftragen.
Alle Macht geht vom Volke aus. Die Demokratie sind wir alle.
Ich wurde gebeten maximal 10 Minuten zu sprechen. Das Thema ist sehr komplex .Vieles konnte ich in diesem knappen Rahmen nicht ansprechen und so freue ich mich auf Ihre Fragen.
Wenn Sie sich weiter informieren wollen empfehle ich Ihnen den Film“ Grundeinkommen ein Kulturimpuls den wir Ihnen kürzlich geschickt haben und im Internet das hervorragende , umfassende und sehr sorgfältig gepflegte Archiv Grundeinkommen und natürlich die vielen wertvollen Anregungen der Mitpetenten im Petitionsforum.
Herzlichen Dank für Ihr Interesse
|