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Dekadenz vor dem Amtsgericht PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 23. März 2011 um 23:42 Uhr

Justiz: Aktivisten der Arbeitsloseninitiative Galida müssen sich wegen ihrer Römer-Aktion in der FDP-Geschäftsstelle verantworten – Hauptbelastungszeuge fehlt unentschuldigt

„Einer noch“, sagte der Wachtmeister mit Blick in den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal 3 im Darmstädter Amtsgericht. Über 50 Zuschauer – durchweg Sympathisanten der Angeklagten – waren am Montag ins Justizgebäude am Mathildenplatz gekommen.
Dort mussten sich sechs Aktivisten der gewerkschaftlichen Arbeitsloseninitiative Darmstadt (Galida) wegen Hausfriedensbruchs verantworten. Sie hatten am 3. März 2010 als Römer verkleidet in der FDP-Geschäftsstelle ein symbolisches Gelage gefeiert.

Nachdem der Vorsitzende Richter Klaus Schmidt per Gerichtsbeschluss – auf Antrag der Verteidigerin Waltraud Verleih – feststellen musste, dass der Saal tatsächlich voll ist, begann das Verfahren, regelmäßig unterbrochen von Gelächter, Zwischenrufen und Applaus der Zuschauer.
Während eine Angeklagte in ihrer Aussage mit dem römischen Reich anfing und der aktuellen Einkommensverteilung endete, sprach der Beschuldigte Helmut Angelbeck zur Sache. „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz +ein“, habe der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle in der Hartz-IV-Debatte gesagt, erklärte der arbeitslose Chemiefacharbeiter. Man habe deswegen der Partei Arbeitslose vorstellen und der Presse „eine gute Aktion“ liefern wollen.
Angelbeck war nicht verkleidet gewesen, als er bei der FDP-Geschäftsstelle klingelte. Man hätte sicher nicht aufgemacht, wenn man im Türspion Kamerateams und Römer gesehen hätte, vermutete er. Als Büroleiter Günter Hartel öffnete, sei man hineingegangen. Zum Gehen habe Hartel die Eindringlinge nicht aufgefordert, sagte der Galida-Vorsitzende, vielmehr sollte man bleiben – bis die Polizei eintreffe.

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