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Integration von MigrantInnen in Norwegen PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 01. März 2011 um 22:12 Uhr

Menschen mit Migrationshintergrund machten im Januar 2010 in Norwegen 11,4 % der Bevölkerung (bzw. 552 000 Menschen, davon 93 000 Kinder zugewanderter Eltern) aus. Die Integration von MigrantInnen ist in zweierlei Hinsicht wichtig: Erstens, um sicherzustellen, dass diese Menschen dieselben Rechte und Chancen wie die einheimische Bevölkerung haben, und zweitens, um sie zur Teilnahme am Arbeitsmarkt und an der Gesellschaft im weiteren Sinne zu befähigen.  

Verschiedene politische Maßnahmen wurden von der norwegischen Regierung beschlossen und auf kommunaler Ebene umgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel das Recht und die Pflicht, Norwegischkurse und Kurse in Staatsbürgerkunde zu absolvieren. Da die meisten ArbeitgeberInnen die Beherrschung der norwegischen Sprache verlangen, wird von AusländerInnen (die zwischen 16 und 55 Jahren alt sind und über eine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis verfügen) verlangt, dass sie 300 Stunden Sprachunterricht absolvieren.

Ein Programm richtet sich speziell an Flüchtlinge. Ein „Einführungsprogramm“ für Flüchtlinge sieht Sprachkurse und Kurse in Staatsbürgerkunde als Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit oder eine Weiterbildung vor. Die TeilnehmerInnen erhalten ein jährliches Einkommen von 18 000 EUR (knapp ein Drittel des norwegischen Durchschnittslohns), sofern sie die Kurse ganztätig besuchen. Eine Erhebung des norwegischen Statistikamts vom November 2008 ergab, dass 63 % derjenigen, die das Programm 2007 abgeschlossen hatten, einer Beschäftigung nachgingen oder sich in einer Ausbildung befanden.

Schließlich ist da noch das Programm „Zweite Chance“, das 2005 ins Leben gerufen wurde. Es richtet sich an Menschen mit Migrationshintergrund, die keine Verbindung zum Arbeitsmarkt haben (nicht berufstätige Mütter, Jugendliche). Es hilft ihnen, in der Arbeitswelt zurechtzukommen, indem es ihnen Unterstützung und Anleitung bietet.

Es bestehen Pläne, zukünftig Einbürgerungstests und einen obligatorischen Sprachtest durchzuführen sowie den Umfang des obligatorischen Sprachunterrichts zu erweitern (600 Stunden). Außerdem sollen die Resultate umfassender dokumentiert werden.

Die Peer Review fand am 18.-19. November 2010 in Oslo, Norwegen, statt. Sie wurde vom norwegischen Amt für Integration und kulturelle Vielfalt (IMDi) ausgerichtet. Peer-Länder waren Finnland, Griechenland, Italien, Lettland, Malta und Österreich, als Interessensgruppen waren das Europäische Netzwerks gegen Armut (EAPN) und die Europäische Frauenlobby (EFL) vertreten. Die Europäische Kommission war über die Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration bei dem Treffen ebenfalls vertreten.

 

Schlussfolgerungen

Ein wichtiger Aspekt der norwegischen Strategie zur Integration von MigrantInnen bestand darin, dass erkannt wurde, dass unterschiedliche Gruppen von MigrantInnen unterschiedliche Unterstützung brauchen und es daher sinnvoll ist, die Kurse zielgruppenorientiert zu gestalten. Vonseiten der TeilnehmerInnen wurde darüber hinaus angeregt zu prüfen, inwiefern Frauen, in deren Kultur es nicht üblich ist, dass Frauen arbeiten gehen, speziell unterstützt werden können. Eine zu starke Zielgruppenausrichtung der Unterstützung kann andererseits dazu führen, dass andere Gruppen von MigrantInnen, die an solchen speziellen Maßnahmen nicht teilnehmen können, benachteiligt werden; es muss daher auch eine breit angelegte Unterstützung geben, die für alle zugänglich ist.

Was die norwegischen Pläne betrifft, die Integrationspolitik ganzheitlicher zu gestalten, so ist die Aussicht auf die Staatsbürgerschaft einerseits attraktiv und können Tests zu besseren Ergebnissen führen, übertrieben drakonische Maßnahmen können jedoch eine abschreckende Wirkung auf die Menschen haben. Obligatorische Sprachkurse und Tests zu einem Bestandteil der Integrationspolitik zu machen, ist ein heikles Thema. Es ist wichtig, immer zwischen integrationspolitischen und einwanderungspolitischen Maßnahmen zu unterscheiden.

Nach Ansicht der TeilnehmerInnen der Peer Review sollten NRO, Vereinigungen von MigrantInnen, private DienstleistungsanbieterInnen und sozialpartnerschaftliche Organisationen dringend stärker einbezogen werden. Da europäische Firmen einen steigenden Bedarf an Arbeitskräften haben, könnte man sie auffordern, zu den Ausbildungsmaßnahmen beizutragen.

Die derzeitige Finanzkrise führt dazu, dass die Mittel immer knapper werden und es bei den Förderprogrammen zu Kürzungen kommt. Es ist notwendig, gesicherte Datengrundlagen zu schaffen, aus denen hervorgeht, welche Strategien gut funktionieren. Einige spezielle Maßnahmen sind in verschiedenen Ländern erfolgreich und könnten auch andernorts umgesetzt werden; dazu gehören Mentoring-Programme, Netzwerke für unterstützende Sozialleistungen, Diversity- und Gender-BeraterInnen.

Spezielle Schulungen für DienstleistungsanbieterInnen können dazu beitragen, mehr Bewusstsein für die Herausforderungen zu schaffen, vor denen MigrantInnen stehen, und sind bewährte Verfahren.

Aufgrund der Unterschiede im Ausmaß der Zuwanderung ist es gerechtfertigt, dass innerhalb der EU verschiedene Ansätze existieren.

http://www.peer-review-social-inclusion. eu/peer-reviews/2010/making-a-success- of-integrating-immigrants-into-thelabour- market

 

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