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Frauenarmut kein Schicksal PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 15. Oktober 2011 um 07:00 Uhr

Reutlingen.  Armut ist immer noch Frauensache. Ursachen und Lösungen zeigte Sozialpädagogin Michaela Hofmann im Augustin-Bea-Haus bei ihrem Vortrag "Armut von Frauen - Frauen in Armut" auf.

Ein Tisch und zwei Stühle im Zimmer, der Boden übersät mit Gerümpel - der Lebensraum eines Wohnungslosen. Er gewährte der Referentin Michaela Hofmann einen Einblick in seine Welt. Eine Frau in einer Hochhaussiedlung in Köln hielt den trostlosen Ausblick aus ihrem Fenster fest. Dies sind zwei von insgesamt 12,8 Millionen Menschen, die in Deutschland unter der Armutsschwelle leben.

Verschiedene Faktoren können laut Hofmann in die Armut führen: Arbeitslosigkeit, fehlender Schul- und Berufsabschluss, geringe Bildung, mehrere Kinder, chronische Erkrankungen und alleinerziehend sein. Willkür, Ablehnung und Scham erleben Menschen, deren Einkommen nicht zum Leben reicht. Den Begriff "sozialschwach" findet die stellvertretende Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz schlecht, denn Armut sage nichts über soziale Fähigkeiten aus.

Besonders Frauen sind von Armut betroffen. Sie lernen besser, haben die besseren Abschlüsse, doch Armut sei immer noch Frauensache, sagt Hofmann. Schicksal, selbstverschuldet oder gewollt? Diese Frage sei leicht zu beantworten: Die Rahmenbedingungen und politischen Umstände führen dazu. Es sind schlicht die Lebenslagen, die Frauen in die Armut treiben. Häufig stocken sie das Einkommen des Mannes nur mit Minijobs oder Teilzeitstellen auf. Betriebliche Leistungen wie Urlaubs- und Krankengeld fallen weg. Sie setzen im Beruf zugunsten der Kindererziehung aus. Zudem erhalten Frauen weniger Lohn als Männer. Damit ist die Frau bei Trennung oder Todesfall des Mannes in ihrem Auskommen benachteiligt.

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