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Geschrieben von: Ulrike Winkelmann   
Sonntag, den 15. Mai 2011 um 15:18 Uhr

Die Kinderarmut hat sich nicht halbiert, sondern ist gewachsen. Von der Leyen ist gescheitert. Politik nur für Kinder funktioniert nicht

Wer hätte das gedacht – in vier Jahren hat sich die Kinderarmut halbiert. Das Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut DIW hat seine Angaben über die Zahl armer Kinder korrigiert: Statt 16 wachsen jetzt nur noch 8 Prozent der Kinder in Deutschland in Armut auf, meldet die OECD, die sich vom DIW mit Zahlen beliefern lässt. Das sind zwar 8 Prozent zu viel. Gewiss aber liegt der Wert nicht mehr weit über dem Schnitt der OECD-Vergleichsstaaten, sondern weit darunter.

Grund für diese schöne Meldung ist freilich keine Verbesserung der Lebensverhältnisse. Die Halbierung ist eine rein mathematische: Das Institut hat seine Datensätze über die deutschen Einkommensverhältnisse überarbeitet. Es hatte bislang nicht ordentlich einberechnet, dass viele Befragte ihre finanzielle Lage falsch oder gar nicht darstellen.

Der Vorgang ist mehr als eine Panne irgendwelcher Datenhuber. Mit der Kinderarmutszahl wird Regierungspolitik gemacht, und das DIW mit seiner gigantischen Datenbank genießt Glaubwürdigkeit im gesamten Meinungsspektrum. Wenn das DIW etwa die Armutsberichterstattung der Bundesregierung von links angreift, ist dies auch für Merkel-treue Journalisten bedeutsam. Muss das DIW zugeben, dass es jahrelang fehlerhaft gerechnet hat, ist das nicht nur für das Haus selbst eine Katastrophe. Die Peinlichkeit weitet sich auf alle aus, die unter Berufung auf DIW-Zahlen mit Schwarz-Rot und mit Schwarz-Gelb ins Gericht gegangen sind.

 

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