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Geschrieben von: Ingo Stützle   
Donnerstag, den 28. April 2011 um 06:24 Uhr

Vom japanischen „Strahlenproletariat“ war die Rede und den französischen Nuklear-Nomaden wurde nachgespürt. Dabei ist Leiharbeit in AKW nicht nur im Ausland ein Problem

Mit der Katastrophe von Fukushima rückten auch die Arbeitsverhältnisse in Atomkraftwerken ins öffentliche Bewusstsein – vom japanischen „Strahlenproletariat“ war die Rede, eine Zeitung spürte den französischen Nuklear-Nomaden nach. Dabei ist Leiharbeit in AKW nicht nur im Ausland ein Problem.

Leiharbeiter, hieß es schon in Robert Jungks Klassiker Der Atomstaat, sind die „Söldner, die Lumpenproletarier der Atom­industrie“, denen man „alles zumuten darf“. Etwa für Reinigung und Wartung brauchen die Betreiber kurzfristig deutlich mehr Personal als im Normalbetrieb. Es geht um gefährliche Arbeiten, bei denen Beschäftigte erhöhter radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind: Jobs für Leiharbeiter. Wie viele von ihnen in deutschen AKW zum Einsatz kommen, ist nicht leicht zu ermitteln. Auch die Gewerkschaften, denen das Thema sonst so am Herzen liegt, zeigen sich wenig auskunftsbereit. Einen Anhaltspunkt bieten die Strahlenpässe, die 1977 mit der Strahlenschutzverordnung eingeführt wurden. Das gelbe Heft im A6-Format soll sicherstellen, dass Arbeiter nicht zu viel Strahlung abbekommen. Wer seine „Dosisreserve“ aufgebraucht hat, wird nicht mehr eingesetzt.

Wurden im ersten Jahr, 1977, weniger als 4.000 Pässe ausgestellt, hatte sich ihre Zahl zwei Jahre später bereits verfünffacht. Ende der Achtziger waren bereits rund 60.000 Strahlenpässe vergeben, 2009 zählte das Umweltministerium 75.000 Inhaber des Dokuments – wobei offen ist, wie viele davon AKW-Leiharbeiter sind.

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