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So wirkt Armut im Alltag PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 14. Oktober 2011 um 07:38 Uhr

Ein abgenutzter Schrank mit defekter Schublade, ein demontierter Bürostuhl, ein flimmerndes Fernsehgerät, ein Schlafsack: Was Armsein im Alltag bedeutet, macht eine Installation von 17 Studentinnen am Rathaus deutlich.

EMMENDINGEN. Ein abgestoßener Schrank mit hängender Schublade, den selbst vom Sperrmüll keiner mehr mitnehmen würde und der doch kleine Träume birgt; ein abgenutzter, vielleicht in besseren Zeiten mal teuer erstandener Sessel vor dem nur flimmernden Fernsehgerät; Stapel von Stellen-Kleinanzeigen; eine Mahnung, unbezahlte Rechnungen, unerschwingliche Arzt-Kostenvoranschläge an der Pinnwand; ein liebevoll dekoriertes Eckchen, ein Schlafsack am Boden: So sieht die Armut aus, die 17 Studentinnen der Evangelischen Hochschule Freiburg zur Aktionswoche "Armut bedroht alle" unter dem Stuck’schen Haus installierten.

Die Gäste balancieren mehr oder minder gekonnt auf einem schmalen Brett über einen kleinen Teich. "Krank, arbeitslos, schmutzig, Klassenfahrt" zählen zu den Stichworten im Eingangsbereich. Gegenüber der Rechnung über die Behebung des Wasserrohrbruchs hängt ein "Glücksrad". Für das große Los? Ein Gewinn ist – ein Kindergartenplatz.

Die Studentinnen mit der Zusatzqualifikation Kunstpädagogik werden in ihrem Arbeitsalltag mit Armut konfrontiert, sie ist ein Thema in Kindertagesstätten, schilderte Fenna Haack den Zugang der Gruppe zur Frauenarmut. Die hat viele Ursachen: die Situation auf dem Arbeitsmarkt, die Berufswahl und die Tatsache, dass Männer noch immer mehr Geld für die gleiche Tätigkeit erhalten. Der Spruch "einmal arm – immer arm" treffe leider immer stärker zu, sagte Meinhard Schamotzki, Kreisgeschäftsführer des Diakonischen Werkes, auf dessen Initiative die Studentinnen die Installation entworfen haben. Sie ist Bestandteil der landesweiten Aktionswoche "Armut bedroht alle", an der sich die Liga der freien Wohlfahrtsverbände beteiligt; das sind Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz, der paritätische Wohlfahrtsverband sowie die jüdische Gemeinde.

 

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