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„Die Armut landet bei uns in den Rathäusern" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: York Töllner   
Freitag, den 14. Januar 2011 um 10:37 Uhr

Vor vier Wochen eröffnete der Tafelladen in Edingens Hauptstraße, inzwischen kaufen 50 Kunden regelmäßig ein. "Tendenz steigend", teilte Uwe Mauch vom DRK-Kreisverband Mannheim beim Besuch von Staatssekretär Georg Wacker mit. Der CDU-Landtagsabgeordnete kam mit Kollegen aus dem Arbeitskreis "Sozialpolitik" und Ministerin Dr. Monika Stolz im Rahmen ihrer Klausurtagung nach Edingen, um sich über die Ehrenamtsinitiative zu informieren. Im Gegensatz zu Mannheim gebe es in Edingen keinen Mangel an freiwilligen Helfern, die dreimal wöchentlich im Laden (Montag, Mittwoch, Freitag von 14 bis 17 Uhr geöffnet) Dienst tun, meinte Mauch.

Für das DRK sei Edingen ein Modellprojekt, erklärte später dessen Ehrenvorsitzender Peter Riehl im Rathaus, wo die Runde zum weiteren Gespräch zusammensaß. "Wir sind hier erstmalig draußen auf dem Land, wo Tafelläden in der Kritik stehen und die Leute, die hier einkaufen, begutachtet werden." Der Bedarf sei genauso da, doch fehle es an Akzeptanz. Wer im Tafelladen einkaufen muss, gilt als arm und werde womöglich am Stammtisch "durchgehechelt". Nicht jeder hält das aus. "Die Hemmschwelle der Betroffenen ist sehr groß", meinte Riehl. Doch für das Rote Kreuz, das die Tafeln in Mannheim und Hockenheim betreut, sei Edingen der Versuch, in Gemeinden dieser Größenordnung Fuß zu fassen. "Die Armut landet bei uns in den Rathäusern", sagte Bürgermeister Roland Marsch. Anders als Mauch, der von Problemen mit dem ÖPNV berichtete, weil vielen Tafelkunden das Geld fürs Straßenbahnticket fehle, ist Marsch der Ansicht, wer Hunger habe, könne sich auch aufs Rad setzen, um von Ladenburg nun nach Edingen zu fahren. Der neue Tafelladen soll Bedürftige in der Römerstadt mitversorgen, nur fehlt es an einem Fahrdienst. Anzunehmen aber, dass gerade ältere Menschen und Alleinerziehende, die eher von Armut betroffen sind, auf einen Fahrdienst angewiesen wären. "Wir dürfen die Leute nicht noch bequemer machen", fand Marsch. Eigeninitiative zu zeigen, sei wichtig. Auch Riehl sprach sich gegen mobile Tafelläden aus. Ein solcher war vor drei Jahren angedacht, scheiterte aber an den Kosten für ein Fahrzeug, die Mauch auf rund 100000 Euro bezifferte. Dank der Business School Mannheim, einem Zweig der Universität, deren Absolventen sich auf der Suche nach einem Sozialprojekt ans Rote Kreuz wandten, konnte der Laden in Edingens Hauptstraße eingerichtet werden. Die CDU-Fraktion habe das von Anfang an begrüßt, erinnerten die Gemeinderätinnen Inge Honsel und Heidi Gade.

 

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