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Für ein umfassendes Streikrecht

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Armut und Reichtum in Deutschland und Nordrhein-Westfalen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Daniel Kreutz   
Montag, den 11. April 2011 um 09:14 Uhr

Seit 1985 gilt in der Europäischen Union eine amtliche Armutsdefinition des Europäischen Rates. Danach sind Menschen arm, wenn sie „über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist.“ Das ist ein relativer, ein teilhabebezogener Armutsbegriff. Da geht es nicht nur ums physische Überleben und die Deckung weniger Grundbedürfnisse (Wohnung, Bekleidung) sondern um ein Mindestmaß an Teilhabe - an den Lebensverhältnissen, die in der eigenen Gesellschaft als normal gelten. Man kann also sagen: Armut ist sozialer Ausschluss.

Nun stellt diese Definition nicht nur auf einen Mangel an materiellen Mitteln, an Geld ab, sondern auch auf einen Mangel an kulturellen und sozialen Mitteln. Ein solcher „mehrdimensionaler“ Armutsbegriff soll berücksichtigen, dass es für die soziale Teilhabe nicht ums Geld allein geht, sondern dass es auch einen Unterschied macht, ob man beispielsweise gesund und gebildet ist und ist in ein tragfähiges familiäres oder sonstiges Netzwerk sozialer Beziehungen eingebunden ist - und damit über bessere Möglichkeiten aktiver Lebensgestaltung verfügt -, oder ob solche Voraussetzungen nicht gegeben sind. Aber natürlich hängt in der Marktgesellschaft auch der Zugang zu Bildung, sozialen Beziehungen oder kulturellem Leben in der Regel maßgeblich vom verfügbaren Einkommen ab. Wir haben bekanntlich ein Bildungssystem, wo der soziale Status des Elternhauses über den Bildungserfolg entscheidet, und wo der vollwertige Bildungszugang auch mit privat zu tragenden Kosten verbunden ist. Einkommensarme Menschen tragen die höheren Gesundheitsrisiken und sterben früher, werden aber vom Gesundheitssystem deutlich schlechter erreicht als wohlhabende. Trotzdem wird unsere Gesundheitsversorgung immer stärker als Bezahlsystem mit Zu- und Aufzahlungen ausgestaltet. Der von jeher bekannte Zusammenhang von Armut und Frühsterblichkeit dürfte unter solchen Umständen verstärkt an Bedeutung gewinnen. Unser gesellschaftliches und kulturelles Leben ist heute in hohem Maße von Märkten geprägt, die sich nicht nach Bedürfnissen, sondern nach zahlungsfähiger Nachfrage richten. Wer es sich nicht leisten kann, mal ein Konzert oder ein Fußballspiel zu besuchen oder in der Kneipe um die Ecke ein Bier trinken zu gehen oder auch zwei, der ist in seinen Möglichkeiten kultureller und sozialer Teilhabe eingeschränkt. Einkommensarmut bleibt deshalb der harte Kern des Armutsproblems insgesamt.

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