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Armut ist auch Mangel an Mut PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 07. September 2011 um 14:29 Uhr

Die OECD prophezeit Deutschland massive Altersarmut. Heute will Arbeitsministerin von der Leyen darüber reden. Zu erwarten ist aber bestenfalls Kosmetik

Vor genau 14 Jahren, im September 1997, wartete die Bundesanstalt für Angestellte mit einer kaum glaubhaften guten Nachricht auf: Die Altersarmut von Frauen, so hieß es, gehöre bald der Vergangenheit an. Künftige Rentnerinnen hätten in der Regel mehr zu erwarten als das Existenzminimum. Sollte die Armut in Zukunft tatsächlich nicht mehr „weiblich“ sein, wie die Zeitungen damals titelten?

Vielleicht – zumindest was die Altersarmut betrifft – nicht mehr „nur“ weiblich. Doch im Datenwust der Rentenversicherung steckte eine kleine Zeitbombe, die man schon damals hätte ticken hören können. Dauerarbeitslosigkeit, Teilzeitarbeit und prekäre Beschäftigung ließen nämlich ahnen, wovor Sozialverbände warnen und was nun auch die OECD bestätigt: Deutschland könnte in absehbarer Zeit wieder damit konfrontiert werden, dass nicht nur vereinzelt alte Menschen in Papierkörben nach Essbarem wühlen oder in Suppenküchen anstehen.

Offiziell sind hierzulande derzeit 400.000 alte Menschen auf Grundsicherungsleistungen angewiesen. Doch wer heute in Rente geht, erhält sieben Prozent weniger Rente als Neurentner noch vor zehn Jahren. Das Sicherungsniveau – also das Verhältnis zwischen Rente und dem aktuellen Durchschnittseinkommen – liegt derzeit bei 50,8 Prozent und wird laut Arbeitsministerium bis 2030 auf 43 Prozent sinken. Um heutzutage auf eine Grundrente von 684 Euro zu kommen, muss man 28 Jahre lang durchschnittlich verdient haben. 2030 werden es schon 33 Jahre sein.

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