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Fatale Verhältnisse bei Putzfirmen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kölner Stadtanzeiger   
Montag, den 12. Dezember 2011 um 16:16 Uhr

Die Stadt Köln kontrolliert Reinigungsfirmen in den letzten Jahren vermehrt, um für faire Konditionen für die Putzfrauen zu sorgen. Das ist lobenswert. Die andere Seite der Medaille: Die Firmen, die die Zuschläge erhielten, gewannen den Wettbewerb mit Dumping-Angeboten.

Vielleicht 700 000, vielleicht auch 800 000 Menschen oder mehr arbeiten hierzulande weitgehend unsichtbar. Wenn die Schulen, Turnhallen, Büros und Museen leer sind, sind sie da, um sauberzumachen. Sie fallen erst auf, wenn es dreckig bleibt: Dann ist ihr Arbeitgeber sauer, womöglich auch, weil er einen Rüffel vom Auftraggeber kriegt. Im Dunkeln liegen, Tarifverträgen zum Trotz, oft auch die Bedingungen, zu denen die Reinigungskräfte arbeiten. Man ahnt und liest gelegentlich, dass die Bedingungen schlecht sind. Wie schlecht, interessiert nicht besonders. Vielleicht schauen viele sogar lieber weg – beschäftigen sie doch selbst Putzfrauen. Schwarz, zu fragwürdigen Stundenlöhnen.

Wie mächtig die Arbeitgeber und wie ohnmächtig die Arbeitnehmer in der Branche sind, illustriert ein Beispiel: Nach der Einführung flächendeckender Tarifverträge für die Reinigungsbranche im Jahr 2003 gründeten einige große Firmen Tochterunternehmen, um die Tarife über Leiharbeit zu umgehen. Unter dem Druck, die Leiharbeit einzudämmen und allgemeinverbindliche Tarife zu erhalten, ließ sich die Gewerkschaft vor zehn Jahren in Verhandlungen mit den Arbeitgebern darauf ein, den Stundentarif zu senken – in NRW um satte sechs Prozent von 8,17 auf 7,68 Euro. Inzwischen liegt er bei 8,55 Euro. Zudem fielen Sonderzahlungen weg, der Urlaub wurde gekürzt. Und das, um für „möglichst faire“ Bedingungen zu sorgen.

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