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(Helmut Klose ca. 1930)
Gestern noch! standest du an der Werkbank,
acht oder zehn Stunden lang
geschmiedet an x-beliebige Arbeit,
in den Ohren Musik lärmender Maschinen,
vor den Augen gebeugte Rücken der Sklavengenossen:
Arbeitstiere im Joch schmeerbäuchiger Menschenbesitzer.
Gestern noch!
Gestern noch! sahest du, solange die Sonne schien,
durch verschmierte Fenster auf staubiger Straße
zerlumpte Vagabunden durch die Zähne pfeifen.
Da fühltest du Sklavenketten um deine Glieder
und brummtest: "Landstreichergesindel, faule Schmarotzer".
Gestern noch!
Gestern noch! zogst du nach Feierabend das reine Hemd an,
befahlst du deiner Wirtin, anständiges Essen aufzutragen,
lachtest du mit Freunden und Mädchen beim Bier -
und als der krumme Bettler kam, hieltest du die Tasche zu,
trankst deinen Fusel und tatest, als sähst du den Alten nicht.
Gestern noch!
Gestern noch!
Heute schon! hat dich dein fetter Besitzer
mit einem Fußtritt in die Gosse gestoßen
und du gehst Brotrinden aus Müllkästen suchen!
Heute schon! bist du "Landstreichergesindel, fauler Schmarotzer",
ein kleines Stück Dreck, ein räudiger Hund.
Heute schon!
Heute schon! stehst du und streckst die Hände aus,
liegst du im Graben und verfluchst deine Tage.
Heute schon! hetzt dich die Welt wie einen Verbrecher
und Gewerkschaftstüren schließen sich vor dir.
Heute schon! trinkt man sein Bier, wenn du ums Schlafgeld bettelst.
Heute schon!
Heute schon!
Gestern noch! warst du der Herr Prolet!
Heute schon! bist du weniger als ein Stück Dreck!
Lange, lange! - nach übermorgen erst
wirst du durch die Zähne pfeifen, Kumpel - !
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