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Großer Bedarf an Beratungen im Kirchenkreis Region Diepholz PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 22. August 2010 um 23:24 Uhr

„Kirchenkreissozialarbeit im Diakonischen Werk ist der allgemeine soziale Dienst der evangelischen Kirche!“
Diakon und Diplom-Sozialarbeiter Rüdiger Fäth ist oft erster Ansprechpartner im Netz der verschiedenen diakonischen Dienste. Er bietet Beratungen, Informationen und Vermittlungen von spezialisierten Hilfen an.
Um dieses Angebot möglichst umfassend zugänglich zu machen, wird im Kirchenkreis Diepholz an vier verschiedenen Orten und an vier Tagen in der Woche eine offene Sprechstunde angeboten.
„Das ist eigentlich ein falscher Titel,“ meint Rüdiger Fäth, „denn ich bin ja kein Arzt!“ Deutlich wird durch die Bezeichnung aber: Niemand muss sich vorher für ein Gespräch anmelden. Und es gibt kein Thema, das dann nicht angesprochen werden könnte.
altDie Sprechzeiten bietet Fäth seit mittlerweile 15 Jahren an, anfangs nur in Diepholz, dann auch in Barnstorf und mittlerweile außerdem in Lemförde und Sulingen. Damit bilden die Sprechstunden eine tragende Säule in der Kirchenkreissozialarbeit, die außerdem noch für Projektarbeit zuständig und mit der Leitung der Übernachtungsstelle für wohnungslose Menschen in Diepholz beauftragt ist.
Während der Sprechzeiten wird ein Angebot für Menschen gemacht, die sich in außergewöhnlichen Belastungssituationen befinden. Art und Ursache sind dabei erst in zweiter Linie wichtig, gilt es doch zunächst, überhaupt einmal auszusprechen, was vielen bis dahin als ziemlich ausweglos erschien. „Ziel ist, für jede Fragestellung und jedes Problem gemeinsam eine Antwort und Lösung zu finden, die das bisher festgefahrene Leben wieder in die Bewegung nach vorne bringt!“
Die Themen gehen dann tatsächlich von A bis Z – vom Asylantrag und Behördenkontakten über Darlehensanträge und Eheberatung, von finanziellen
Beihilfen über Grundsicherungsleistungen und Hartz IV, von Krankheit und Mietrückständen über Räumungsklage und Obdachlosigkeit, von Trennung und Scheidung über Stromschulden und Ratenzahlungen, von Verschuldung und Wohnungssuche bis hin zu zeitweise völlig verzweifelten, weil hoffnungslosen Menschen.
Dass die offene Beratung des Diakonischen Werkes angenommen wird, zeigt die Statistik. Verschwiegenheit ist Grundsatz. Bereits in den ersten fünf Monaten dieses Jahres fanden in den Sprechstunden 180 Beratungsgespräche statt, 82 davon mit männlichen, 98 mit weiblichen Ratsuchenden. 51 Personen waren Menschen mit Migrationshintergrund, in 66 Gesprächen ging es ausschließlich um Fragen im Zusammenhang mit Hartz IV.
Von Januar bis Mai 2010 nahmen 53 Menschen zum ersten Mal die offene Beratung im Diakonischen Werk in Anspruch. Die große Palette von möglichen Fragestellungen lässt erkennen: Für die Kirchenkreissozialarbeit gibt es kein starres Zuständigkeitsdenken.
„Ich weiß nicht in jedem rechtlichen Zusammenhang selbst Bescheid und kann nicht jede Frage aus eigenem Wissen beantworten,“ gibt Rüdiger Fäth unumwunden zu, „obwohl man sich in diesem Job mit der Zeit in allen möglichen Gebieten immer besser auskennt.“
Trotzdem sei er darauf angewiesen, Kolleginnen und Kollegen in anderen Beratungsstellen gut zu kennen und bei Bedarf auf kurzem Wege schnell Kontakte herzustellen. Kirchenkreissozialarbeit ist Vernetzungsarbeit, nicht nur mit Kirchengemeinden, sondern auch mit Behörden und anderen Einrichtungen der sozialen Hilfe in der Region. Als Diakon orientiert sich der 52jährige an Bibel und Evangelium. „Man muss in
den aktuellen Hilfeberufen mit professionellen Methoden, sozialwissenschaftlich und therapeutisch fundiert arbeiten. Das darf aber nicht zu einem Selbstverständnis der Beratenden führen, das weit weg ist von der Alltagssituation derer, die Hilfe suchen.“
Die Kirchenkreissozialarbeit versteht sich als Hilfe im unmittelbaren Lebensfeld Rat suchender Menschen. Für Rüdiger Fäth wird dieser Satz am besten im Evangelium durch die von Jesus geforderten Werke der Barmherzigkeit präzisiert: Hungrige speisen, Nackte kleiden, Unterdrückte befreien, Fremde beherbergen, Gefangene besuchen, Kranke pflegen. „Diese Aufzählung hält unserem Streben nach beruflicher Akkuratesse einen Spiegel vor, auch wenn die Einzelheiten im übertragenen Sinne verstanden werden müssen.“ meint Fäth und schmunzelt. „Hier geht es nicht um fein ausformulierte Hilfsstrategien, sondern um ein Handeln ohne Wenn und Aber. Diakonie sollte sich auf diesem Hintergrund nicht zur Management- Zentrale sondern eher zur Bedürfnis- Anstalt entwickeln.“

 
 

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